Fabric & Power BI Quarterly | 2026-4
Die FabCon Europe 2026 in Barcelona hat gezeigt, wohin sich Microsoft Fabric entwickelt: weg von einer reinen Analytics-Plattform, hin zu einer integrierten Umgebung für Daten, Anwendungen, KI-Agenten und Unternehmensprozesse. Besonders interessant sind dabei nicht nur die großen KI-Ankündigungen. Auch bei Governance, Monitoring, Entwicklung und Kostenkontrolle wurden wichtige Lücken geschlossen.
Power BI - Vom Reporting-Tool zur Entwicklungsplattform
Power BI verändert sich grundlegend. Klassische Berichte und Dashboards bleiben relevant, werden aber zunehmend durch KI-gestützte Entwicklung und neue Anwendungsmöglichkeiten ergänzt. Mit der allgemeinen Verfügbarkeit von Power BI Projects (PBIP) im September 2026 erreicht diese Entwicklung einen wichtigen Meilenstein.
PBIP speichert Berichte und semantische Modelle in textbasierten Formaten. Dadurch lassen sich Änderungen versionieren, über Git verwalten und automatisiert überprüfen. Die Tabular Model Definition Language (TMDL) sowie das Power BI Enhanced Report Format (PBIR) bilden hierfür die technische Grundlage.
Zusätzlich werden die Entwicklungsumgebungen enger miteinander verbunden. Die TMDL-Ansicht ist inzwischen auch im Web verfügbar. Der Power BI Authoring MCP Server und die Power BI Desktop Bridge ermöglichen es KI-Agenten, Modelle und Berichte zu bearbeiten und Ergebnisse direkt in der Entwicklungsumgebung zu überprüfen.
Damit entwickelt sich Power BI zunehmend zu einer Plattform, auf der Menschen und KI-Agenten gemeinsam analytische Lösungen erstellen. Mit Power BI MCP lassen sich solche Entwicklungsprozesse durch KI-Agenten unterstützen, ohne die gewohnten Modell- und Berichtswerkzeuge aufzugeben.
Fabric Apps eröffnen neue Möglichkeiten für Datenanwendungen
Zu den besonders viel diskutierten FabCon-Themen gehören Fabric Apps. Während klassische Power-BI-Berichte vor allem für Datenexploration und interaktive Analysen entwickelt wurden, ermöglichen Fabric Apps individuell gestaltete Anwendungen mit eigenen Benutzeroberflächen, Geschäftslogik und Datenbankanbindung.
Das eröffnet neue Einsatzmöglichkeiten für operative Anwendungen, Eingabemasken, Freigabeprozesse oder speziell gestaltete Management-Oberflächen. Bestehende Fabric-Datenquellen wie Warehouses, Lakehouses und semantische Modelle können dabei eingebunden werden.
Besonders interessant ist die angekündigte KI-gestützte App-Erstellung in Power BI Desktop. Anwender sollen künftig Anwendungen auf Basis vorhandener semantischer Modelle durch natürlichsprachliche Anweisungen erstellen, bearbeiten und veröffentlichen können. Microsoft hat diese Funktion für eine kommende Preview angekündigt, auch für Power BI Pro und Premium Per User.
Fabric Apps ersetzen Power BI Reports jedoch nicht. Für explorative Analysen, flexible Filterung und Self-Service BI bleiben klassische Berichte die sinnvollere Wahl. Fabric Apps eignen sich besonders dann, wenn eine klar definierte Aufgabe, ein individueller Workflow oder die direkte Interaktion mit Daten im Mittelpunkt steht.
Fabric Planning verbindet Analyse, Planung und operative Prozesse
Mit der allgemeinen Verfügbarkeit von Planning in Microsoft Fabric im Juli 2026 wurde ein weiterer wichtiger Schritt vollzogen. Planung, Forecasting und Szenarioanalysen können direkt auf bestehenden semantischen Modellen aufbauen, statt Daten in separate Planungssysteme auszulagern.
Die gemeinsam mit Lumel entwickelte Lösung umfasst unter anderem Planning Sheets, PowerTable und Intelligence Sheets. Besonders interessant ist die Verbindung zwischen Ist-Daten, Plandaten und operativen Entscheidungen.
Neue Funktionen ermöglichen die Weiterverarbeitung von Planungsänderungen über Fabric Pipelines, Dataflows oder Notebooks. Damit können beispielsweise aktualisierte Forecasts automatisch weitere Berechnungen oder Geschäftsprozesse anstoßen.
Auch das Kostenmodell wurde weiterentwickelt. Planning nutzt rollenbasierte Sessions mit einer Laufzeit von 30 Tagen. Für reine PowerTable-Datenverwaltung gelten günstigere Rollenmodelle als für die vollständige Planung.
Ob Planning eine bestehende Excel- oder CPM-Lösung ersetzen kann, hängt dennoch von den Anforderungen ab. Berechtigungen, Modellkomplexität, Performance und Integrationsmöglichkeiten müssen individuell bewertet werden. Bei der Planung mit Microsoft Fabric entscheidet daher die Kombination aus technischer Integration und Governance über die Praxistauglichkeit.
F0 und On-Demand-Billing verändern das Fabric-Kostenmodell
Die angekündigte F0-Kapazität könnte den Einstieg in Microsoft Fabric deutlich vereinfachen. Anders als bei bisherigen F-SKUs ist für F0 keine vorab bereitgestellte Compute-Kapazität erforderlich. Unterstützte Workloads werden stattdessen nach tatsächlichem Verbrauch abgerechnet.
Das Modell ist besonders für Entwicklung, Tests und schwankende Arbeitslasten interessant. Unternehmen können neue Szenarien ausprobieren, ohne sofort eine dauerhaft dimensionierte Kapazität vorzuhalten.
Auch bestehende Kapazitäten sollen künftig On-Demand-Abrechnung für bestimmte Workload-Kategorien nutzen können. F0 und die erweiterten Abrechnungsoptionen wurden für eine kommende Preview angekündigt.
Allerdings bedeutet verbrauchsabhängige Abrechnung nicht automatisch niedrigere Kosten. Dauerhaft ausgelastete Workloads können auf einer fest dimensionierten Kapazität wirtschaftlicher sein. Bei Planning müssen insbesondere die 30-Tage-Sessions und mögliche Kapazitätswechsel berücksichtigt werden. Wie sich diese im Detail mit F0 verhalten, sollte vor einer produktiven Entscheidung geprüft werden.
Bei der Wahl zwischen F0 und festen Kapazitäten müssen Unternehmen die Microsoft-Fabric-Kosten einschließlich Compute, Storage, Lizenzierung und tatsächlicher Auslastung gemeinsam bewerten.
Fabric Policies schließen eine wichtige Governance-Lücke
Eine der wichtigsten Ankündigungen für den Unternehmenseinsatz ist die Einführung der Fabric Policy Engine in Public Preview.
Bisher konnten Administratoren viele Funktionen nur auf relativ grober Ebene aktivieren oder deaktivieren. Mit den neuen Policies lassen sich Regeln differenzierter anhand von Benutzergruppen, Workspaces und Artefakttypen definieren.
Über die Item Creation Policy kann beispielsweise gesteuert werden, welche Benutzergruppen Notebooks, Pipelines oder andere Fabric-Elemente in bestimmten Workspaces erstellen dürfen.
Dabei ist eine wichtige Einschränkung zu beachten: Die Policy kontrolliert die Erstellung eines Artefakts, nicht automatisch dessen spätere Nutzung oder Bearbeitung. Bestehende Berechtigungen bleiben deshalb weiterhin ein wesentlicher Bestandteil der Governance-Architektur.
Für Unternehmen in Deutschland ist außerdem die regionale Verfügbarkeit relevant. Laut Microsoft-Dokumentation werden Fabric Policies derzeit noch nicht in den Regionen West Europe und North Europe unterstützt.
Die Neuerung ist dennoch strategisch bedeutsam. Governance lässt sich zunehmend technisch durchsetzen, statt ausschließlich über organisatorische Richtlinien geregelt zu werden.
Monitoring und Deployment werden endlich praxisnäher
Microsoft hat auch die Überwachung von Fabric erheblich weiterentwickelt. Der neue Monitor Hub und das überarbeitete Workspace Monitoring sollen eine zusammenhängende Sicht auf Jobs, Workspaces, Kapazitäten und Anwendungen ermöglichen.
Besonders relevant sind die Capacity Operation Events im Real-Time Hub. Sie liefern in der Preview detaillierte Informationen über einzelne Operationen, einschließlich Verbrauch, Laufzeit, Status und möglicher Drosselungen.
Damit wird es einfacher, ressourcenintensive Prozesse zu identifizieren und automatisierte Warnungen aufzubauen. Die Verbindung mit Eventhouse und Activator schafft die Grundlage für ein deutlich proaktiveres Capacity Management.
Beim produktiven Einsatz müssen allerdings Datenschutz und Governance berücksichtigt werden. Besonders die Verarbeitung personenbezogener Nutzungsinformationen kann in deutschen Unternehmen zusätzliche Abstimmungen erfordern.
Mit den neuen Deployment Plans kommt außerdem eine wichtige Erweiterung für CI/CD hinzu. Deployment-Reihenfolgen und Abhängigkeiten können über einen visuellen Editor mit YAML als technischer Grundlage definiert werden. Vor- und Nachbereitungsschritte lassen sich dadurch strukturierter in die Bereitstellung integrieren.
Gerade für größere Fabric-Umgebungen sind diese Verbesserungen relevant: Entwicklung, Deployment und Betrieb werden stärker zu einem durchgängigen Prozess.
OneLake Security und Snowflake wachsen zusammen
Auch die Interoperabilität zwischen Microsoft Fabric und anderen Plattformen entwickelt sich weiter. Ein besonders interessantes Beispiel ist die Replikation von Snowflake-Sicherheitsrollen nach OneLake. Die neue Funktion befindet sich in Public Preview und soll verhindern, dass Berechtigungsregeln nach der Datenreplikation vollständig manuell nachgebaut werden müssen.
Das ist ein wichtiger Fortschritt für hybride Datenarchitekturen. Unternehmen können Daten in Fabric nutzen und gleichzeitig einen Teil der bereits bestehenden Governance-Strukturen aus dem Quellsystem übernehmen.
Die Funktion ist allerdings kein allgemeiner Mechanismus für sämtliche Datenplattformen. Ob und wann vergleichbare Integrationen für andere Systeme bereitstehen, bleibt offen.
Eine weitere praktische Verbesserung betrifft Power BI: Bilder und Kartenressourcen können inzwischen über authentifizierte OneLake-Datei-URLs eingebunden werden. Sensible Bilddateien müssen damit nicht mehr öffentlich erreichbar gespeichert werden.
KI-Agenten benötigen eine verlässliche semantische Grundlage
Die FabCon hat verdeutlicht, dass Microsoft KI-Funktionen zunehmend über gemeinsame Daten- und Semantikstrukturen verbindet.
Fabric IQ spielt dabei eine zentrale Rolle. Semantische Modelle, Ontologien und operative Daten sollen dafür sorgen, dass KI-Agenten Geschäftszusammenhänge verstehen und nicht nur isolierte Datenabfragen ausführen.
Die Integration in Microsoft 365 Copilot Chat und Cowork erweitert diese Möglichkeiten über Fabric hinaus. Gleichzeitig entstehen neue Ansätze für agentengestütztes Data Engineering, unter anderem auf Basis der übernommenen Osmos-Technologie.
Auch der offene Standard Apache Ossie ist in diesem Zusammenhang interessant. Microsoft und Snowflake unterstützen die Entwicklung einer herstellerneutralen Spezifikation für semantische Modelle.
Ziel ist es, Geschäftsdefinitionen und Kennzahlen zwischen verschiedenen Analytics-Plattformen austauschbar zu machen. Erste Konvertierungsmöglichkeiten zwischen Apache Ossie, Snowflake Semantic Views und Power BI sind bereits vorhanden.
Allerdings befindet sich Apache Ossie noch in der Entwicklung. Komplexe semantische Modelle, insbesondere mit umfangreicher DAX-Logik, lassen sich nicht grundsätzlich verlustfrei übertragen.
Für Unternehmen liegt der strategische Nutzen deshalb zunächst in der Perspektive auf mehr Portabilität und weniger Herstellerabhängigkeit. Für Fabric Data Agents sind konsistente Geschäftsdefinitionen und nachvollziehbare Berechtigungen entscheidend, damit KI-gestützte Analysen zuverlässige Ergebnisse liefern.

Was Unternehmen jetzt priorisieren sollten
Die zahlreichen Neuerungen lassen sich auf drei wesentliche Handlungsfelder reduzieren.
Erstens: Bestehende Entwicklungsprozesse modernisieren. PBIP, Git-Integration und KI-gestützte Entwicklung bieten bereits heute konkrete Vorteile. Hier lohnt sich eine systematische Überprüfung der eigenen Power-BI- und Fabric-Prozesse.
Zweitens: Governance und Observability stärken. Neue Funktionen wie die Fabric Policies und Capacity Operation Events sollten anhand konkreter Betriebsanforderungen bewertet werden. Preview-Status und regionale Verfügbarkeit sind dabei verbindliche Prüfpunkte.
Drittens: KI-Szenarien auf belastbare Datenmodelle aufbauen. Wer Copilot oder Data Agents produktiv nutzen möchte, braucht konsistente Kennzahlen, nachvollziehbare Berechtigungen und gepflegte semantische Modelle.
Nicht jede Ankündigung muss sofort umgesetzt werden. Entscheidend ist, welche Neuerung ein konkretes Geschäftsproblem löst und welchen zusätzlichen Betriebsaufwand sie verursacht.
Fazit: Microsoft Fabric wird zur integrierten Unternehmensplattform
Die FabCon Europe 2026 markiert einen wichtigen Entwicklungsschritt für Microsoft Fabric. Besonders bemerkenswert ist, dass neben KI und neuen Anwendungsmöglichkeiten zunehmend auch die Grundlagen für den produktiven Unternehmenseinsatz verbessert werden.
Governance, Monitoring, CI/CD, Kostenkontrolle und Interoperabilität erhalten deutlich mehr Aufmerksamkeit.
Gleichzeitig bleiben offene Fragen: Preview-Funktionen benötigen eine sorgfältige Bewertung, die semantische Portabilität ist noch nicht vollständig gelöst und auch eine durchgängige Column-Level-Lineage fehlt weiterhin in wichtigen Fabric-Szenarien.
Die Richtung ist dennoch klar: Microsoft Fabric entwickelt sich von einer integrierten Analytics-Plattform zu einer Umgebung, in der Daten, Anwendungen, Planung und KI-gestützte Prozesse enger zusammenarbeiten.
Nächste Schritte
Wer Microsoft Fabric bereits einsetzt oder eine Einführung plant, sollte zunächst prüfen, welche Neuerungen tatsächlich zu den eigenen Anforderungen passen.
Gerade bei Architektur, Governance, Kapazitätsplanung und der Integration von KI-Agenten lohnt sich eine strukturierte Bewertung der bestehenden Umgebung.
Die Microsoft-Fabric-Beratung der Daten-WG unterstützt dabei, sinnvolle Einsatzszenarien zu priorisieren und eine tragfähige technische Grundlage für den produktiven Betrieb zu schaffen.



