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Power BI Update – April 2026

Das Power BI Update April 2026 ist kein Release für die große Bühne. Es ist eher eines dieser Updates, die im ersten Moment unspektakulär wirken – und im Alltag trotzdem hängen bleiben. Weniger Strategie, weniger Plattform-Drama, mehr kleine Verbesserungen an genau den Stellen, an denen Report-Ersteller regelmäßig Zeit verlieren.


Im Mittelpunkt stehen diesmal vor allem Reporting, Visuals, Layout-Kontrolle und ein paar interessante Modeling-Erweiterungen. Also Themen, die nicht zwingend nach Keynote klingen, aber in echten Power BI-Projekten schnell relevant werden: Wie schnell bekomme ich eine saubere Seite aufgebaut? Wie stabil bleibt mein Layout? Wie gut verstehen Nutzer, was interaktiv ist? Und wie flexibel kann ich Modelle an unterschiedliche Benutzerkontexte anpassen?


Genau deshalb lohnt sich der Blick auf dieses Update. Nicht, weil alles neu ist. Sondern weil Power BI an mehreren Stellen ein Stück praktischer, kontrollierbarer und erwachsener wird.


Canvas-Einstellungen: Full HD endlich direkt auswählbar

Fangen wir mit einer kleinen, aber sehr willkommenen Änderung an: In den Canvas-Einstellungen gibt es nun gängige Seitenformate direkt als Presets. Für 16:9 stehen unter anderem 1280 x 720 HD, 1920 x 1080 Full HD, 2560 x 1440 QHD und 3840 x 2160 4K UHD zur Auswahl. Custom-Größen bleiben weiterhin möglich. Klingt banal. Ist es aber nicht.


Wer regelmäßig Power BI Reports baut, hat die klassischen Auflösungen vermutlich schon unzählige Male manuell eingetippt. Gerade 1920 x 1080 ist in vielen Organisationen eine Art inoffizieller Standard geworden – nicht immer perfekt, aber oft praktikabel. Dass diese Größe nun direkt auswählbar ist, ist keine strategische Revolution, aber eine echte Arbeitserleichterung.


Wichtig bleibt trotzdem: Die Canvas-Größe ist kein Ersatz für gutes Report-Design. Ein Report wird nicht automatisch besser, nur weil er in Full HD gebaut wurde. Entscheidend ist weiterhin, wo der Report konsumiert wird: im Browser, auf einem großen Monitor, eingebettet in Teams, auf einem Produktionsscreen oder vielleicht sogar mobil. Wer einfach blind Full HD auswählt, kann sich weiterhin Layout-Probleme einhandeln.


Aber als Standardisierungshilfe ist das Feature sehr sinnvoll. Gerade Teams, die gemeinsam Reports entwickeln, können sich einfacher auf feste Layoutgrößen einigen. Weniger manuelles Tippen, weniger Abweichungen, weniger „Warum ist diese Seite eigentlich 1918 Pixel breit?“.


Fixed Size Layout: Endlich mehr Kontrolle bei Karten und Slicern

Ein weiteres praktisches Reporting-Feature betrifft das Layout von Card Visuals, Button Slicern und List Slicern. Diese unterstützen jetzt eine Fixed size-Option im Formatbereich. Statt nur festzulegen, wie viele Elemente angezeigt werden sollen, können Report-Ersteller die konkrete Pixelgröße einzelner Karten, Buttons oder Listenelemente definieren. Wenn der Container zu klein wird, erscheinen Scrollbars automatisch.


Das ist vor allem für Kachelwände interessant. Also für Seiten, auf denen viele KPI-Karten, Statusinformationen oder Auswahlbuttons sauber nebeneinanderstehen sollen. Bisher war das oft ein ziemliches Gefummel: Container größer, Karte kleiner, nochmal verschieben, nochmal prüfen, dann bricht es bei anderer Seitenbreite doch wieder anders um. Mit festen Größen bleibt das einzelne Element stabiler. Microsoft beschreibt ausdrücklich, dass Items bei Größenänderung des Containers ihre festgelegte Höhe und Breite behalten, statt proportional mitzuwachsen oder zu schrumpfen. Für List Slicer mit Hierarchien ist das ebenfalls hilfreich, weil sich beim Auf- und Zuklappen von Ebenen die Anzahl sichtbarer Elemente stark ändern kann.


Aus Daten-WG-Sicht ist das eines dieser Features, die man nicht in einer Architekturfolie feiert, aber im echten Projekt sofort merkt. Besonders bei Management-Reports, Vertriebsübersichten, Produktionsdashboards oder Navigationsseiten kann das Layout dadurch deutlich ruhiger werden.


Meine Empfehlung: Nicht überall aktivieren, sondern bewusst dort einsetzen, wo Wiederholbarkeit wichtiger ist als dynamisches Mitwachsen. Eine KPI-Kachelwand profitiert davon. Ein einzelner Slicer auf einer explorativen Analyse-Seite vielleicht weniger.


Card Visual: Interaktivität wird erwachsener

Das Card Visual bekommt im Power BI Update von April 2026 ebenfalls eine sinnvolle Verbesserung: Wird ein Kategorie-Header ausgewählt, hebt Power BI die ausgewählte Karte hervor und dimmt die übrigen Karten. Außerdem können mehrere Datenfelder im Kategorie-Feld nun im Header verkettet dargestellt werden. Über „Edit interactions“ lässt sich steuern, welche anderen Visuals durch die Auswahl gefiltert werden.


Karten waren in Power BI lange vor allem Anzeigeelemente. Eine Zahl, ein Label, vielleicht ein Trend. Mit dem neuen Card Visual wurde daraus schrittweise ein flexibleres Bauteil. Die Verbesserung durch das Power BI Update macht Karten interaktiver und verständlicher. Wenn ein Nutzer auf eine Kategorie klickt, sieht er klarer, was gerade ausgewählt ist.


In der Praxis kann das sehr nützlich sein. Beispiel: Eine Seite zeigt Umsatz, Marge, offene Aufträge und Reklamationen je Region oder Produktgruppe als Kacheln. Der Nutzer klickt auf eine Kachel und filtert damit Details darunter. Das ist intuitiv – solange es sauber gestaltet ist.


Aber genau hier liegt auch die Gefahr. Karten können dadurch schnell zu versteckten Slicern werden. Wenn die Interaktion nicht klar erkennbar ist, wundern sich Nutzer, warum sich andere Visuals verändern. Deshalb gilt: Interaktive Karten nur dort einsetzen, wo die Auswahl bewusst Teil der Analyseführung ist. Nicht jede Zahl muss klickbar sein.


Theme- und Visual-Defaults: Schritte Richtung sauberere Standards

Das April-Update bringt auch Verbesserungen rund um moderne Visual Defaults und Themes. Im Dialog „Customize current theme“ gibt es nun einen Base Theme Switcher. Damit kann man auf das vorherige Basis-Theme zurückgehen, wenn ein eigenes Theme noch nicht mit den modernen Defaults funktioniert, oder ältere Reports auf das neue Basis-Theme aktualisieren. Zusätzlich wurden integrierte Tabellen- und Matrix-Styles angepasst: unter anderem sind banded rows standardmäßig aktiv und Matrix-Visuals zeigen standardmäßig Plus-/Minus-Buttons.


Das klingt nach Kosmetik. Für Unternehmen mit vielen Reports ist es aber Governance-relevant.

Themes sind in Power BI oft ein unterschätztes Thema. Viele Organisationen haben zwar Farben, Logos und vielleicht einen Styleguide, aber keine wirklich saubere Report-Design-Basis. Dann entstehen über Jahre Reports, die zwar alle Power BI sind, aber völlig unterschiedlich aussehen. Unterschiedliche Tabellenstile, andere Farben, andere Achsen, andere Abstände.


Die neuen Optionen helfen, moderne Defaults kontrollierter zu nutzen. Gleichzeitig sollte man vorsichtig sein: Bestehende Reports einfach massenhaft zu aktualisieren, kann unerwartete visuelle Änderungen auslösen. Gerade bei produktiven Management-Reports würde ich Updates an Themes immer zuerst an Kopien testen.


Gute Power BI-Governance heißt nicht, jedes neue visuelle Default sofort zu übernehmen. Gute Governance heißt: bewusst entscheiden, was Standard wird – und was nicht.


Preview Visuals sind jetzt klarer erkennbar

Eine kleine, aber sehr sinnvolle Änderung: Preview Visuals werden im Visualisierungsbereich nun deutlicher gekennzeichnet. Sie erscheinen mit dem Hinweis Preview hinter dem Namen und werden unterhalb einer Trennlinie zusammen mit Custom und nicht angepinnten Visuals angezeigt. Das ist für Entwickler nett. Für Unternehmen ist es wichtig. Denn Preview bedeutet: noch nicht final, potenziell veränderlich, nicht zwingend für alle produktiven Szenarien geeignet. In vielen Projekten werden Preview-Funktionen ausprobiert, dann vergessen und irgendwann produktiv genutzt. Monate später wundert man sich, wenn sich Verhalten, Formatierung oder Verfügbarkeit ändern.


Dass Power BI Preview Visuals nun sichtbarer trennt, unterstützt eine sauberere Arbeitsweise. Nicht als harte technische Kontrolle, aber als klares Signal: Achtung, das ist noch nicht allgemein verfügbar.


Mein pragmatischer Ansatz: Preview in Sandbox und Prototypen ja. In produktiven Reports nur dann, wenn Nutzen und Risiko bewusst akzeptiert sind.


Direct Lake calculated columns & tables sind wirklich spannend

Im Modeling-Bereich wird es fachlich interessanter. Microsoft führt Direct Lake calculated columns and tables als Preview ein. Laut offizieller Beschreibung sollen berechnete Spalten auf Direct Lake on OneLake-Tabellen als unmaterialized calculated columns ausgerollt werden; außerdem werden berechnete Tabellen unterstützt, die sich auf Direct Lake on OneLake-Spalten beziehen. Microsoft nennt als typischen Anwendungsfall Situationen, in denen zusätzliche Spalten upstream nicht einfach ergänzt werden können, etwa weil die Datenaufbereitung in OneLake von einem anderen Team verantwortet wird.


Direct Lake ist gerade deshalb spannend, weil große Datenmengen aus OneLake effizient für Power BI nutzbar werden, ohne den klassischen Import-Refresh in derselben Form managen zu müssen. Microsoft beschreibt Direct Lake als Storage Mode für Power BI Semantic Models in Fabric, optimiert für große Datenmengen aus Delta-Tabellen in OneLake und mit Performance-Eigenschaften näher an Import als an klassischem DirectQuery.


Trotzdem bleibt eine Grundregel bestehen: Wiederverwendbare Business-Logik gehört möglichst weit upstream. Also ins Lakehouse, Warehouse, Dataflow, Notebook oder in eine sauber definierte Gold-Schicht. Berechnete Spalten im semantischen Modell sind praktisch, aber sie sollten nicht zur Ablagefläche für alles werden, was eigentlich in die Datenarchitektur gehört.


In echten Projekten ist das Feature trotzdem wertvoll. Manchmal kann ein BI-Team die Quelle nicht ändern. Manchmal dauert eine Anpassung im Lakehouse länger als der Fachbereich warten kann. Manchmal braucht man eine kleine Modell-Erweiterung, um einen Report überhaupt sinnvoll zu liefern. Dann ist eine berechnete Spalte im Direct Lake-Modell eine pragmatische Option.


Aber: Preview bleibt Preview. Ich würde das heute testen, verstehen und für passende Grenzfälle nutzen – aber noch nicht als neue Standardarchitektur verkaufen.


User-context-aware calculated columns

Für mich ist die spannendste Neuerung im April 2026 nicht Full HD, nicht Fixed Size und auch nicht die interaktiveren Karten. Es sind die user-context-aware calculated columns.


Microsoft führt damit die Möglichkeit ein, berechnete Spalten dynamisch vom Benutzerkontext abhängig zu machen – unter anderem über DAX-Funktionen wie USERCULTURE(), USERPRINCIPALNAME() und CUSTOMDATA(). Aktiviert wird das über die Eigenschaft Expression Context. Unterstützt werden laut Microsoft Direct Lake on OneLake, Import und DirectQuery-Tabellen; Direct Lake on OneLake befindet sich dabei noch im Deployment.


Warum ist das interessant? Weil es neue Szenarien für mehrsprachige und kontextabhängige Modelle eröffnet. Microsoft nennt ausdrücklich Datenübersetzungen als Beispiel. In der Praxis kann das bedeuten: Produktnamen, Kategorien, Beschreibungen oder Formatlogiken können abhängig von der Sprache oder Kultur des Nutzers dargestellt werden. Die DAX-Funktion USERCULTURE() gibt das Locale des aktuellen Users zurück, also etwa Sprach- und Ländercode, abhängig von Betriebssystem, Browser oder Power BI Service-Einstellungen.


Das kann für international genutzte Reports richtig wertvoll sein. Ein Konzernreport, der in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und den USA genutzt wird, muss nicht zwangsläufig überall gleich aussehen. Datumsformate, Zahlenformate, Produktbezeichnungen oder Beschreibungen können je nach Nutzerkontext variieren. Aber auch hier gilt: sauber denken.


Benutzerkontext ist mächtig. Mächtige Funktionen werden schnell missbraucht. Übersetzung, Anzeigevarianten oder regionale Darstellung sind gute Anwendungsfälle. Sicherheitslogik sollte weiterhin sauber über RLS, OLS und definierte Berechtigungskonzepte laufen – nicht über kreative Anzeige-Tricks in berechneten Spalten.


Copilot in Power BI Mobile: relevant, aber nicht für jeden sofort

Auch Copilot bekommt im April-Update Erweiterungen. In Power BI Mobile unterstützt der In-Report Copilot nun einen konversationsbasierten Chat, der sich auf den aktuell geöffneten Bericht bezieht. Nutzer können Fragen stellen, KI-generierte Visualisierungen erhalten und Folgefragen stellen. Antworten enthalten laut Microsoft Verweise auf die zugrunde liegenden Visuals; auf iPhone und iPad ist außerdem Spracheingabe verfügbar.


Das ist strategisch interessant, praktisch aber stark abhängig vom Reifegrad der Organisation.

Copilot im Report ist nur so gut wie das semantische Modell darunter. Wenn Measures unklar benannt sind, Beziehungen nicht sauber sind, Beschreibungen fehlen und der Report ohnehin schon missverständlich ist, wird Copilot daraus keine magische Analyseplattform machen. Er kann helfen, aber er ersetzt keine gute Modellierung.


Für mobile Führungskräfte, Außendienst, operative Steuerung oder schnelle Rückfragen unterwegs kann das trotzdem ein wichtiger Baustein werden. Nicht als Ersatz für den Report, sondern als zusätzliche Interaktionsschicht.


Randnotizen: Narrative Visual, Azure Maps, Netezza und File Picker

Neben den großen Punkten gibt es weitere kleinere Änderungen. Beim Narrative Visual öffnet Power BI für Nutzer mit Copilot-Lizenz nun standardmäßig im Copilot-Modus; außerdem wurde das Zeichenlimit auf 10.000 erhöht. Azure Maps synchronisiert den im Visual gewählten Map Style nun besser mit dem Formatbereich. Der alte File Picker in Power BI Desktop ist ab SU04 nicht mehr verfügbar, die neue Erfahrung ist Standard. Außerdem wird der bisher integrierte Netezza ODBC Driver zugunsten des neueren IBM Netezza ODBC Drivers abgekündigt.


Das sind keine Themen, die jeden Power BI-Entwickler täglich betreffen. Aber gerade die Deprecation-Hinweise gehören in professionelle Update-Bewertung hinein. Wer Netezza einsetzt oder Power BI Desktop stark standardisiert ausrollt, sollte solche Änderungen nicht erst bemerken, wenn beim nächsten Update etwas anders aussieht.

Fazit: Das Power BI Update April 2026 ist klein, aber sehr nützlich

Das Power BI Update April 2026 ist kein Release, das die Plattform neu sortiert. Es ist eher ein gutes Arbeitsupdate. Mehr Kontrolle beim Layout. Bessere Canvas-Presets. Verständlichere Card-Interaktionen. Klarere Kennzeichnung von Preview Visuals. Dazu ein paar Modeling-Previews, die fachlich deutlich spannender sind, als sie auf den ersten Blick wirken.


Für Report-Ersteller sind vor allem die festen Größen für Karten und Slicer sowie die neuen Canvas-Presets sofort nützlich. Für Teams mit Design-Standards sind die Theme-Verbesserungen relevant. Für Fabric- und Direct-Lake-nahe Projekte lohnt sich ein genauer Blick auf berechnete Spalten und Tabellen im Preview. Und für internationale Organisationen könnten user-context-aware calculated columns ein echter Hebel werden.


Meine Einordnung: April 2026 ist kein Monat für große Power BI-Schlagzeilen. Aber es ist ein Monat, in dem Power BI an vielen kleinen Stellen erwachsener wird. Und genau diese kleinen Stellen entscheiden im Projektalltag oft darüber, ob ein Report sauber, stabil und angenehm nutzbar ist – oder eben wieder nach Bastellösung aussieht.

Der nächste sinnvolle Schritt

Power BI entfaltet seinen Nutzen erst dann vollständig, wenn Dashboards sauber aufgebaut, Datenmodelle durchdacht und Kennzahlen klar definiert sind.Genau diese Grundlagen entscheiden darüber, ob Berichte genutzt oder ignoriert werden.


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