top of page

Fabric & BI Quarterly 2026/2

Die erste FabCon des Jahres 2026 ist vorbei, und wie immer gilt: Wenn FabCon ist, dann ist auch Ankündigungs-Flut. Im aktuellen Quarterly auf dem Daten-WG-Kanal war Gaby wieder mit dabei, und gemeinsam haben wir auf die wichtigsten Themen für Power BI und Fabric geschaut.


Dabei ging es nicht nur um einzelne Features, sondern vor allem um die größere Frage: Wohin entwickelt sich die Plattform eigentlich gerade wirklich? Zwischen Power-BI-Verbesserungen, neuen Governance-Bausteinen, mehr Interoperabilität und überraschend starken Planning-Funktionen war diesmal einiges dabei, das nicht nur nett klingt, sondern echten Einfluss auf die Praxis haben dürfte.



Custom Totals: Endlich da, aber nicht für jeden ein Gamechanger

Ein Thema, das in der Power-BI-Welt schon lange emotional diskutiert wurde, ist nun offiziell angekommen: Custom Totals. Gerade bei Matrizen und Tabellen gab es immer wieder Diskussionen darüber, ob Gesamtsummen richtig oder falsch seien. Vor allem bei semi-additiven Kennzahlen kam es immer wieder zu Missverständnissen zwischen fachlicher Erwartung und mathematisch korrekter Berechnung.


Die neue Funktion löst diesen Konflikt nicht philosophisch, aber praktisch. Denn jetzt können Anwender mit wenig Aufwand selbst entscheiden, welche Art von Total sie sehen wollen. Genau das ist wahrscheinlich der eigentliche Fortschritt: Nicht Microsoft entscheidet zentral, was richtig ist, sondern der Kunde bekommt die Möglichkeit, den für seinen Kontext passenden Weg zu wählen.


Für erfahrene Modellierer bleibt trotzdem klar: Dauerhaft wiederverwendbare Logik gehört weiterhin möglichst ins Modell und nicht ins Visual. Trotzdem ist die Funktion willkommen, weil sie in Spezialfällen Reibung rausnimmt und unnötige Grundsatzdiskussionen entschärft.


Neues Standard-UI in Power BI: Gewöhnungsbedürftig, aber sinnvoll

Wer das März-Update eingespielt hat, hat es direkt gesehen: Das neue Standard-UI fällt auf. Vor allem der graue Hintergrund springt sofort ins Auge und wird vermutlich Geschmacksfrage bleiben. Spannender ist aber, was darunter passiert.


Viele Standardformate wurden modernisiert, einige Visuals wirken direkt aufgeräumter und auch die Auflösung und Default-Einstellungen wurden an mehreren Stellen verbessert. Wer ohnehin mit Vorlagen arbeitet, wird davon weniger stark betroffen sein. Für viele andere dürfte das aber einfach bedeuten: weniger Nacharbeit, weniger manuelle Kosmetik, schneller zu einem brauchbaren Standardreport.


Unterm Strich ist das eher eine überfällige Qualitätsverbesserung als eine Revolution. Aber genau solche Dinge sparen im Alltag oft mehr Zeit als spektakuläre große Ankündigungen.


PBIR als Standard: Der Weg zum echten Developer-Format

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die stärkere Etablierung von PBIR beziehungsweise developer-freundlichen Formaten in Power BI. Für neue Modelle wird das Ganze zunehmend Standard, und damit geht Microsoft konsequent weiter in Richtung strukturierter, versionierbarer und automatisierbarer Entwicklung.


Das wirkt auf den ersten Blick wie ein Thema für Pro-Developer, ist aber inzwischen weit mehr als das. Gerade durch KI-gestützte Entwicklung, Automatisierung, Git-Integration und moderne Toolchains wird es immer wichtiger, dass Modelle und Definitionen nicht in schwer zugänglichen Binärformaten verschwinden. Wer heute ernsthaft Wiederverwendung, Automatisierung oder AI-gestützte Entwicklung denkt, braucht klar lesbare und strukturierte Artefakte.


Genau deshalb zeigt sich jetzt auch, dass der frühe Fokus auf diese Developer-Perspektive richtig war. Was vor einiger Zeit noch nach Nische aussah, wirkt heute wie notwendige Grundlage für alles, was modernere Datenarbeit ausmacht.


Translytical Task Flows jetzt GA

Ein persönliches Highlight bleibt für mich Translytical, und jetzt ist das Feature offiziell General Available. Das heißt natürlich nicht, dass schon alles perfekt oder vollständig ist. Themen wie besseres Monitoring und Debugging stehen weiterhin im Raum. Trotzdem ist der GA-Status ein echter Meilenstein.


Wichtig ist hier vor allem der Kontext: Translytical steht nicht isoliert da, sondern baut auf mehreren Bausteinen auf, die nach und nach gereift sind. SQL in Fabric, User Data Functions, Input Slicer und jetzt eben auch Task Flows. Man sieht daran gut, wie Microsoft solche Funktionen nicht als Einzelfeuerwerk bringt, sondern Stück für Stück ein größeres Konstrukt baut.


Für alle, die Aktionen direkt aus Power BI heraus auslösen wollen, ohne zusätzliche Plattformen oder komplizierte Umwege, ist das inzwischen ein ernstzunehmender Baustein. Gerade für schlanke operative Szenarien ist das extrem spannend.


Dataflows Gen1: Das Ende einer Ära kündigt sich an

Eines der emotionalsten Themen der Folge war sicher die Zukunft von Dataflows Gen1. Für viele Power-BI-Nutzer waren sie über Jahre hinweg ein zentraler Teil der Lösung. Gerade in Zeiten vor Fabric haben sie in vielen Architekturen eine wichtige Rolle gespielt.


Jetzt ist aber klar: Dataflows Gen1 bewegen sich Richtung Legacy-Status. Neue Features wird es nicht mehr geben, und langfristig ist absehbar, dass sie verschwinden werden. Das ist nicht überraschend, aber trotzdem relevant. Denn viele Umgebungen haben historisch gewachsene Strecken mit zahlreichen Abhängigkeiten aufgebaut, und genau dort wird Migration schnell komplex.


Für kleinere Setups ist das oft noch entspannt. Wer bereits Fabric nutzt und nur überschaubare Dataflow-Strukturen hat, kann vieles relativ gut umstellen. Schwieriger wird es bei tief verschachtelten ETL-Strecken oder bei Organisationen, die stark auf Pro-Workspaces gesetzt haben. Genau dort stellt sich jetzt die Frage, wie viel auch künftig ohne Fabric-Lizenzmodell überhaupt noch möglich sein wird.


Die gute Nachricht: Niemand muss jetzt in Panik verfallen. Es gibt Vorlauf, es gibt erste Werkzeuge wie den Migration Accelerator in der Fabric Toolbox, und es ist sehr gut möglich, dass die Community und Microsoft hier noch weitere Hilfen liefern. Der sinnvollste Rat aktuell ist eher: keine neuen Gen1-Dataflows mehr bauen und bestehende Landschaften mit Ruhe beobachten und vorbereiten.


Slowly Changing Dimension Type 2 im Copy Job

Ein eher leiseres, aber inhaltlich starkes Update kam aus der Data-Factory-Ecke: Slowly Changing Dimension Type 2 wird im Copy Job unterstützt. Für viele vielleicht nur ein Detail, für die Praxis aber sehr relevant.


Denn genau solche Dinge waren bisher oft mit zusätzlichem Notebook-Code, Workarounds oder individuellen Konstruktionen verbunden. Jetzt wandert ein klassisches ETL-Muster deutlich näher an die Standardfunktionalität. Das spart Zeit, senkt Einstiegshürden und macht Fabric in der täglichen Datenarbeit ein Stück erwachsener.


Solche Features zeigen auch gut die generelle Entwicklung: Andere spezialisierte Tools waren in bestimmten Teilbereichen lange klar voraus. Aber Microsoft holt in vielen Feldern spürbar auf - oft nicht mit maximalem Tempo, aber mit einer immer breiteren und integrierteren Plattformlogik.


Fabric wird offener: SAP, Snowflake, Databricks, Airflow, dbt

Ein ganz wichtiger Schwerpunkt der FabCon war Interoperabilität. Und genau das ist ein Punkt, bei dem Fabric inzwischen deutlich stärker wirkt als noch vor einiger Zeit.


SAP-Integration ist jetzt GA, mit Snowflake und Databricks gibt es in beide Richtungen mehr Möglichkeiten, Airflow und dbt spielen ebenfalls eine Rolle. Das ist deshalb relevant, weil Fabric sich immer stärker als Plattform versteht, die nicht verlangt, dass man alles Bestehende wegwirft. Stattdessen geht es darum, vorhandene Landschaften einzubinden und näher ans Business zu bringen.


Gerade bei Themen wie offenen Formaten, Delta, Iceberg und bidirektionalen Integrationen lässt sich der alte Vorwurf des harten Vendor Lock-in nicht mehr so leicht halten wie früher. Natürlich bleibt jede Plattform am Ende eine Plattform mit eigenem Ökosystem. Aber der Grad an Offenheit und Anschlussfähigkeit ist deutlich höher als in vielen älteren Microsoft-Datenwelten.


OneLake Security und Governance werden greifbarer

Für Gaby war eines der wichtigsten Themen ganz klar OneLake Security. Auch hier nähert sich Fabric einem wichtigen Reifegrad. Der GA-nahe Status ist ein Signal, dass aus Vision nach und nach belastbare Plattformfunktion wird.


Besonders spannend ist dabei der Ansatz, Sicherheitsinformationen nicht nur innerhalb nativer Fabric-Workloads nutzbar zu machen, sondern grundsätzlich so bereitzustellen, dass auch andere Workloads damit arbeiten können. Das ist ein ziemlich starker Architekturgedanke: Sicherheit nicht als Abschottung, sondern als konsistente, plattformübergreifend nutzbare Information.


Dazu kommen Fortschritte im Governance-Bereich, etwa mit dem Governance-Tab und Secure-Tab im OneLake Catalog oder mit Workspace Tags. Das wirkt vielleicht weniger spektakulär als flashy AI-Demos, ist aber für echte Enterprise-Nutzung extrem wichtig. Denn je stärker Fabric wächst, desto wichtiger wird es, dass Governance, Sicherheit und Transparenz nicht nur irgendwie mitlaufen, sondern systematisch mitreifen.


Papierkorb und Overage Billing: Kleine Features, große Wirkung

Nicht alles auf der FabCon muss ein strategischer Big Bang sein. Manche Verbesserungen sind einfach Dinge, die im Alltag sofort nützlich sind. Dazu gehört ganz klar der neue Papierkorb für gelöschte Items. Klingt banal, ist aber eine Funktion, die in einer produktiven Plattform einfach da sein sollte.


Ähnlich sieht es mit Overage Billing aus. Wer Kapazitätsgrenzen überschreitet, kann jetzt Lastspitzen besser abfangen, statt direkt hart gebremst zu werden. Gerade für Szenarien mit temporären Peaks - etwa Massenversand, Realtime-Verarbeitung oder saisonale Last - ist das ein sehr praxisnahes Feature.


Das passt gut zur Fabric-Philosophie: erst einmal möglichst einfach machen, Nutzung ermöglichen, und dann bei Bedarf mehr Steuerungsoptionen nachreichen. Genau das unterscheidet Fabric für viele vom klassischen Gefühl anderer Plattformen, bei denen man sich erst durch Konfiguration kämpfen muss, bevor überhaupt etwas produktiv wird.


Das vielleicht spannendste Thema: Planning direkt in Fabric

Mein persönlicher Wow-Moment der FabCon war aber ein anderer: die neuen Planning-Funktionen auf Basis der Lumel-Technologie. Dass Microsoft hier eine so starke Lösung direkt als First-Party-Workload in Fabric bringt, ist aus meiner Sicht ein echter Gamechanger.


Gerade wer bisher mit InfoRiver gearbeitet hat, sieht sofort, was das bedeutet. Viele klassische Writeback- und Planungsszenarien, für die bisher separate Lizenzmodelle, Zusatzprodukte und oft auch interne Überzeugungsarbeit nötig waren, kommen damit plötzlich direkt in die Plattform. Ohne zusätzliche Visual-Installation, ohne Drittanbieter-Administrationslogik, ohne separates Lizenzchaos.


Mit PowerTable und Planning Sheets werden typische Controlling- und Planungsszenarien sehr direkt adressiert. Tabellenartige Eingaben, Writeback in SQL-Datenbanken, klassische Planung über strukturierte Sheets, neue Zeilen hinzufügen, Mapping-Tabellen pflegen, Masterdaten korrigieren — all das ist plötzlich deutlich nativer verfügbar.


Das ist gerade deshalb so stark, weil hier ein langjähriger Wunsch vieler Power-BI-Nutzer erfüllt wird: nicht nur analysieren, sondern auch in strukturierter Form zurückschreiben und planen. Power Apps, einzelne Inputs oder Translytical decken Teile davon ab, aber nicht das echte tabellarische Planungserlebnis.


Natürlich wird die Nutzung über Capacity Consumption abgerechnet und nicht völlig gratis sein. Aber der Unterschied zum bisherigen Lizenzdenken ist enorm. Wer früher viele Nutzer separat lizenzieren musste, kann jetzt viel flexibler und fairer über tatsächliche Nutzung nachdenken. Für viele Unternehmen dürfte das wirtschaftlich sehr attraktiv werden.


Nicht Ersatz für alles, aber eine starke Ergänzung

Trotz aller Begeisterung ersetzt das neue Planning natürlich nicht automatisch Power BI, Paginated Reports oder jede spezialisierte Lösung. Aber gerade in klassischen Finanz- und Controlling-Szenarien könnte es für einige Anwendungsfälle sehr schnell zur besseren Antwort werden.


Auch die Intelligence Sheets sind in dem Zusammenhang spannend, weil sie Reporting, Kommentierung und strukturierte Darstellung kombinieren. In manchen Fällen könnte das tatsächlich klassische paginierte Berichte verdrängen oder ergänzen. Nicht als Allzweckwaffe, aber als sehr gute Lösung für bestimmte tabellarisch geprägte Use Cases.


Und genau darin liegt vielleicht die eigentliche Stärke dieses Updates: Es erweitert Fabric nicht nur um ein neues Feature, sondern um einen ganzen Anwendungsbereich, der bisher oft extern, teuer oder umständlich gelöst werden musste.

Fazit: FabCon 2026 zeigt: Fabric wird runder

Was von dieser FabCon vor allem hängen bleibt, ist weniger ein einzelnes Super-Feature als das Gesamtbild. Fabric wirkt runder. Power BI bekommt sinnvolle Verbesserungen. Entwickler bekommen bessere Formate. Governance und Security wachsen sichtbar weiter. Interoperabilität wird ernster genommen. Und mit Planning kommt ein Bereich dazu, der für viele Fachbereiche unmittelbar relevant ist.


Natürlich fehlen weiter Dinge. Natürlich gibt es offene Wünsche. Natürlich ist nicht jede Preview sofort perfekt. Aber die Richtung ist inzwischen ziemlich klar: Fabric entwickelt sich nicht nur breiter, sondern auch praxisnäher. Und genau das macht diese FabCon aus meiner Sicht so spannend.

Der nächste sinnvolle Schritt

Power BI entfaltet seinen Nutzen erst dann vollständig, wenn Dashboards sauber aufgebaut, Datenmodelle durchdacht und Kennzahlen klar definiert sind.Genau diese Grundlagen entscheiden darüber, ob Berichte genutzt oder ignoriert werden.


Wenn du Power BI strukturiert aufsetzen oder bestehende Lösungen verbessern willst, unterstützen wir dich mit:


So wird aus einem funktionierenden Bericht eine belastbare Analytics-Lösung.

bottom of page