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Von KNIME zum Fabric Notebook

Viele Modernisierungsprojekte im Datenumfeld scheitern nicht an fehlenden Ideen, sondern an der Übersetzungsarbeit. Die Logik existiert bereits. Die Datenstrecken laufen. Modelle, Validierung und Fachlichkeit sind da. Was fehlt, ist ein pragmatischer Weg, diese vorhandene Arbeit in eine moderne Zielumgebung zu überführen, ohne alles neu zu bauen.


Genau hier wird es interessant, wenn ein bestehender KNIME-Workflow nicht nur dokumentiert, sondern technisch ausgelesen und in ein lauffähiges Microsoft Fabric Notebook überführt wird. Der Punkt ist nicht, dass irgendwo Python erzeugt wird. Der Punkt ist, dass aus einer gewachsenen, visuellen Pipeline ein nachvollziehbares, weiterentwickelbares Artefakt wird.



Ein echter Workflow statt einer netten Demo

Im Zentrum steht ein vorhandener Credit Scoring Workflow auf Basis des German Credit Dataset mit 1.000 Kreditnehmern, 21 Spalten und drei Modellen: Decision Tree, Neural Network und SVM. Ziel war es, den kompletten Workflow in ein Microsoft Fabric Notebook zu migrieren und das Ergebnis als Delta-Tabelle im Lakehouse bereitzustellen. Genau diese Klarheit macht den Fall interessant: Es ging nicht um ein neues Modell, sondern um die Überführung bestehender Logik in eine neue Umgebung.


Das klingt zunächst technisch. In Wahrheit ist es aber ein sehr praktisches Problem, das viele Teams kennen. Sobald eine Plattform modernisiert wird, entsteht die Frage, wie vorhandene Workflows weiterleben können. Wer dann alles von null neu baut, verliert Zeit und oft auch fachliche Details. Wer sauber übersetzt, spart beides.


Warum die KNIME-Workflow-Datei der Schlüssel ist

Ein KNIME-Workflow wirkt von außen wie ein Diagramm aus Nodes und Verbindungen. Für Migrationen ist er aber erst dann wirklich wertvoll, wenn seine Struktur technisch zugänglich ist. Genau das ist bei KNIME der Fall: .knwf ist die Dateiendung für KNIME-Workflows, und KNIME stellt mit dem Workflow Summary Extractor einen Weg bereit, strukturierte Beschreibungen eines Workflows als XML oder JSON bereitzustellen — inklusive Workflow-Struktur, Node-Konfigurationen, Ports und Annotationen. Damit wird aus einem visuellen Ablauf ein maschinenlesbares Objekt.


KNIME - Credit Scoring Workflow
KNIME - Credit Scoring Workflow

Im gezeigten Fall wurde die .knwf-Datei als Archiv gelesen, entpackt und in ihre Bestandteile zerlegt. Laut den bereitgestellten Unterlagen wurden dabei 67 XML-Dateien analysiert. Genau das verschiebt die Arbeit von einem manuellen Nachbauen hin zu einem systematischen Überführen. Solange ein Workflow nur als Oberfläche vorliegt, bleibt Migration Fleißarbeit. Sobald die Struktur auslesbar ist, wird sie planbar.


Der eigentliche Wert liegt in der Parametertreue

Viele Migrationen sehen auf den ersten Blick gut aus, weil am Ende irgendetwas läuft. Das reicht aber nicht. Entscheidend ist, ob die fachlich relevanten Einstellungen erhalten bleiben. Bei Machine-Learning-Workflows ist genau das der Punkt, an dem sich eine hübsche Demo von einer belastbaren Überführung trennt.


Im vorliegenden Fall wurden die Modellparameter gezielt übernommen: Decision Tree mit Gini Index, ohne Pruning und mit mindestens zwei Records pro Node; Neural Network mit einem Hidden Layer, 10 Neuronen und 100 Iterationen; SVM mit polynomialem Kernel, C=1.0 und Grad 1. Dazu kam eine 10-fache, stratifizierte Cross-Validation. Das ist keine Nebensache. Es ist der Kern. Denn wenn genau diese Einstellungen stillschweigend verändert werden, ist das Ergebnis vielleicht lauffähig, aber nicht mehr dasselbe.


Was Claude Code hier tatsächlich leistet

Anthropic beschreibt Claude Code als Werkzeug für AI-gestützte Entwicklungsaufgaben, nutzbar unter anderem in VS Code und im Terminal. Für diesen Fall ist das relevant, weil es nicht nur um das Ergänzen einzelner Codezeilen geht, sondern um eine mehrstufige technische Übersetzungsarbeit: Datei lesen, Struktur verstehen, Einstellungen extrahieren, Mapping ableiten, Zielcode erzeugen.


Claude Code in Aktion
Claude Code in Aktion

Genau das zeigt auch der Ablauf im Beispiel. Zuerst wurde die KNIME-Datei gelesen und entpackt. Danach wurden Node-Settings analysiert, Parameter übernommen, Python-Entsprechungen erzeugt und daraus ein Microsoft Fabric Notebook generiert. Der Mehrwert liegt also nicht in schnellerer Syntax, sondern in geringerem Übersetzungsverlust. Das ist ein wichtiger Unterschied. Wer nur schneller Code schreibt, spart Minuten. Wer vorhandene Logik sauber in ein Microsoft Fabric Notebook überführt, spart im Zweifel Tage.


Die Brücke von KNIME nach Python entscheidet über die Qualität

Das eigentliche Herzstück dieser Migration ist das Mapping von KNIME-Nodes auf Python-Bibliotheken und Datenlogik. Genau hier entscheidet sich, ob aus einem visuellen Workflow bloß ähnlicher Code wird oder ein fachlich treues Microsoft Fabric Notebook entsteht.


Automatisches Mapping
Automatisches Mapping

Gerade bei ML-Workflows ist das heikel. Schon kleine Abweichungen bei Vorverarbeitung, Modellparametern oder Validierung können Ergebnisse verändern. Deshalb ist das Mapping keine technische Fußnote, sondern die eigentliche Qualitätsfrage. Ein gutes Microsoft Fabric Notebook ist nicht einfach die codierte Version eines Diagramms. Es ist die möglichst verlustarme Übertragung der ursprünglichen Absicht in eine offenere, prüfbare Form.


Warum das Microsoft Fabric Notebook ein sinnvoller Zielpunkt ist

Ein Microsoft Fabric Notebook ist nicht einfach nur eine weitere Notebook-Oberfläche. Microsoft positioniert es als primäres Code-Artefakt für Spark und Data-Science-Arbeit. Gleichzeitig sind Fabric-Notebooks eng mit Lakehouses verzahnt: Ein bestehendes oder neues Lakehouse lässt sich anbinden, ein Default-Lakehouse kann an die Laufzeit gemountet werden, und Lesen sowie Schreiben sind dann auch über lokale Pfade möglich. Vorhandene Notebooks lassen sich zudem in Fabric importieren. Genau diese Kombination macht das Format als Ziel attraktiv.


Für Teams heißt das: Das Ergebnis landet nicht in einer isolierten Entwicklungsdatei, sondern in einem Kontext, in dem Datenzugriff, Ausführung und Speicherung bereits zusammenspielen. Aus einem migrierten Workflow wird also nicht nur Code, sondern ein Microsoft Fabric Notebook, das sich dokumentieren, versionieren, ausführen und in eine breitere Datenarchitektur einordnen lässt. Das ist der Unterschied zwischen Konvertierung und Anschlussfähigkeit.


Das Ergebnis: ein lauffähiges Fabric Notebook mit Delta-Output

Im erzeugten Microsoft Fabric Notebook werden die Daten aus dem Lakehouse gelesen, die drei Modelle trainiert und per Cross-Validation bewertet. Der Accuracy-Vergleich wird visualisiert, und die Ergebnisse werden anschließend als Delta-Tabelle gespeichert. Laut Microsoft ist genau dieses Zusammenspiel von Notebook und Lakehouse ein zentraler Arbeitsmodus in Fabric; über Notebooks können Daten im Lakehouse gelesen und geschrieben werden.


Im diesem Fall wurde eine Delta-Tabelle mit dem Namen Fabric_from_Knime_Workflow angelegt. Sie enthält unter anderem Model, Accuracy, Accuracy_Std, Cohens_Kappa und Is_Best_Model. Das beste Modell war in diesem Beispiel die SVM mit 71,6 Prozent Accuracy. Nicht weil diese Zahl universell spektakulär wäre, sondern weil sie zeigt, dass das Microsoft Fabric Notebook nicht nur formal erzeugt wurde, sondern zu einem strukturiert speicherbaren Ergebnis geführt hat.


Generiertes Fabric Notebook
Generiertes Fabric Notebook

Wo der Ansatz im Alltag stark ist

Die Stärke dieses Vorgehens liegt in der Abkürzung einer mühsamen Phase. Bestehende Workflows müssen nicht mehr zwingend Zeile für Zeile neu implementiert werden. Wenn die Struktur auslesbar ist und das Mapping sauber gelingt, verkürzt sich der Weg zu einem nutzbaren Microsoft Fabric Notebook erheblich.


Gerade für Teams mit gewachsenen Analytics-Landschaften ist das relevant. Die Alternative lautet oft entweder Stillstand oder kompletter Neubau. Beides ist teuer. Eine gute Migration schafft einen dritten Weg: vorhandene Logik übernehmen, in ein modernes Format bringen und danach schrittweise verbessern. Genau so entsteht Fortschritt, der nicht nur technisch elegant, sondern auch wirtschaftlich vernünftig ist.


Wo du trotzdem aufpassen musst

Trotzdem bleibt ein wichtiger Punkt: Ein erzeugtes Microsoft Fabric Notebook ist noch kein vollständiges Betriebsmodell. Im Material selbst werden bereits Anpassungen bei Pfaden, Lakehouse-Verbindungen und beim Import beziehungsweise der VS-Code-Anbindung genannt. Genau dort beginnt in echten Projekten die nächste Ebene: Berechtigungen, Umgebungen, Wartbarkeit, Orchestrierung und Tests.


Deshalb wäre es falsch, aus so einem Beispiel die Botschaft abzuleiten, dass KI nun Architektur und Engineering ersetzt. Das tut sie nicht. Was sie ersetzt, ist vor allem Übersetzungsarbeit. Das ist viel wert, aber eben nicht alles. Die erste Version eines Microsoft Fabric Notebook darf sehr nah am Ursprung sein. Die zweite Version sollte dann oft bereits bewusster auf die Zielplattform zugeschnitten werden.


Der technische Ablauf ist klar, aber nicht banal

Der Prozess lässt sich einfach beschreiben: .knwf lesen, XML-Dateien parsen, Node-Settings extrahieren, ML-Parameter übernehmen, Microsoft Fabric Notebook generieren, Ergebnis als Delta-Tabelle speichern. Genau diese Klarheit ist ein Vorteil, weil sie die Migration nachvollziehbar macht statt sie als Black Box zu verkaufen.


Und genau das ist im Datenumfeld entscheidend. Niemand braucht Magie. Man braucht Transparenz. Man will verstehen, was übernommen wurde, wo Anpassungen nötig sind und an welcher Stelle aus einer alten Pipeline ein neuer, wartbarer Standard entstehen kann.


Was du aus diesem Beispiel mitnehmen kannst

Wenn du KNIME-Workflows im Bestand hast, ist die wichtigste Erkenntnis nicht, dass ein Assistent Code erzeugen kann. Die spannendere Erkenntnis ist, dass sich vorhandene Workflow-Logik systematisch in ein Microsoft Fabric Notebook überführen lässt, ohne den fachlichen Kern aufzugeben.


Das eröffnet einen vernünftigen Mittelweg. Weder starres Festhalten am alten Setup noch radikales Neubauen um jeden Preis. Sondern ein schrittweises Modernisieren, bei dem bestehende Substanz erhalten bleibt und trotzdem ein anschlussfähiges Ergebnis entsteht.

Fazit: Engpass ist oft nicht das Modell, sondern die Übersetzung

Die eigentliche Leistung in diesem Beispiel besteht nicht darin, dass irgendwo ein Notebook entstanden ist. Die eigentliche Leistung besteht darin, dass ein bestehender Workflow mitsamt zentraler Logik, Parametern und Auswertung in ein lauffähiges Microsoft Fabric Notebook überführt wurde. Genau das spart Zeit, ohne fachliche Substanz leichtfertig wegzuwerfen.


Solche Ansätze sind dann stark, wenn sie konservativ genug für die Fachlogik und offensiv genug für die Zielplattform sind. Erst sauber übertragen. Dann gezielt weiterentwickeln. Wenn du also KNIME im Bestand hast und Fabric als Ziel siehst, ist das Microsoft Fabric Notebook ein sehr sinnvoller Zwischenschritt — nicht als Endpunkt jeder Architektur, aber als belastbare Brücke zwischen bestehender Logik und moderner Datenplattform.

Der nächste sinnvolle Schritt

Microsoft Fabric entfaltet seinen Nutzen erst dann vollständig, wenn Architektur, Datenflüsse, Verantwortlichkeiten und Betriebsmodell sauber zusammenspielen. Genau diese Grundlagen entscheiden darüber, ob aus ersten Use Cases eine tragfähige Plattform entsteht oder nur die nächste Zwischenlösung..


Wenn du Microsoft Fabric strukturiert einführen oder bestehende Setups gezielt weiterentwickeln willst, unterstützen wir dich mit:

  • Fabric Kick Start – für einen praxisnahen Einstieg in Architektur, Zielbild und erste Use Cases

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So wird aus einer technischen Einführung eine belastbare Plattform, die auch langfristig trägt.

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