Power BI Trends 2026
- Michael Tenner

- 24. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Ein kurzer Hinweis vorab: Was du gleich liest, ist keine offizielle Microsoft-Roadmap, kein Orakel und auch kein geheim geleaktes Produkt-Backlog. Es sind die persönlichen Einschätzungen von mir (Michael) – entstanden irgendwo zwischen Power BI, Fabric, Governance-Diskussionen und der Frage, warum Metadaten immer erst dann wichtig werden, wenn sie fehlen.
Manches davon wird sich bewahrheiten, manches vielleicht nicht. Aber alles basiert auf echter Projekterfahrung, genauer Beobachtung – und einer klaren Meinung. Und genau deshalb lohnt es sich, einen Blick auf diese Power BI Trends 2026 zu werfen.

Power BI und Fabric wachsen zusammen
Das ist einer der zentralen Power BI Trends 2026: „Standalone“ bleibt möglich, aber strategisch wird’s immer weniger sinnvoll, Power BI losgelöst vom restlichen Daten-Ökosystem zu betrachten. Für Teams heißt das: Architekturentscheidungen (Lakehouse/Warehouse, Security, Deployment, Costs) wirken direkt bis ins Reporting – und umgekehrt.
Denn Microsoft Fabric vereint nicht nur Power BI als Visualisierungsschicht mit Data Engineering, Data Warehouse, Real-Time Analytics und weiteren Workloads in einer integrierten Plattform – es schafft auch eine gemeinsame Datenbasis (OneLake), auf die alle Komponenten zugreifen können. Diese einheitliche Plattformlösung reduziert nicht nur Insellösungen und Datenkopien, sondern sorgt dafür, dass Reports in Power BI auf einer konsistenten, zentral verwalteten Datenquelle basieren. Damit verschwinden klassische Brüche zwischen Daten- und Report-Domains und es entstehen neue Anforderungen an Governance, Security und Architektur.
MCP wird stabil – und verändert die Entwicklung
Das Model Context Protocol (MCP) wird stabil und bleibt dauerhaft bestehen. Bereits heute lassen sich beispielsweise mit Visual Studio Code Measures, Kommentare und weitere Elemente direkt am Datenmodell erstellen und pflegen. Perspektivisch wird dieser Ansatz auch auf das Frontend ausgeweitet. Seiten, Slicer oder Designanpassungen per Konversation zu erzeugen oder zu verändern, wird die Arbeit sowohl für Entwickler als auch für Self-Service-Nutzer deutlich vereinfachen.
Das Model Context Protocol ist bereits heute eine Realität, die zeigt, wie tief KI-Funktionen in Power BI und Fabric integriert werden können. MCP wurde als offener Standard entwickelt, um die Kommunikation zwischen KI-Agenten und Datenquellen bzw. Tools zu vereinheitlichen, sodass große Sprachmodelle (LLMs) nicht mehr isoliert arbeiten müssen, sondern in Echtzeit auf semantische Datenmodelle zugreifen können. Dies ermöglicht es etwa, in natürlicher Sprache DAX-Abfragen zu generieren, semantische Modelle direkt zu modifizieren oder Insights aus Daten abzuleiten, ohne traditionelle Schnittstellen manuell zu implementieren.
Ask Your Data Anything: Chance und Risiko zugleich
„Ask your Data Anything“ in App und Service ist zugleich große Chance und reales Risiko. Die Funktion macht deutlich, wie wichtig sauber aufgebaute Datenmodelle mit konsistenter Semantik, aussagekräftigen Metadaten und einem durchdachten Sicherheitskonzept sind. Gleichzeitig werden Schwächen in bestehenden Power-BI-Governance-Ansätzen offen sichtbar.
Die Möglichkeit, Daten direkt per natürlicher Sprache abzufragen, verändert den Umgang mit BI grundlegend. Richtig eingesetzt kann dieser Ansatz viele Fachanwender befähigen, die bisher keinen tiefen Zugang zu Datenmodellen und Analysen hatten. Governance-Probleme werden nicht mehr erst im Review sichtbar, sondern unmittelbar im Nutzungskontext: bei unklaren Kennzahlen, widersprüchlichen Antworten oder fehlenden Berechtigungen.
Die Praxis zeigt, dass Teams mit klar definierten KPIs, sauber gepflegten Metadaten und stringenter Security deutlich schneller echten Mehrwert erzielen. „Ask your Data Anything“ wird damit zum Katalysator: Es beschleunigt gute Modelle – und entlarvt schlechte sofort.
2026 und SAP: Wird Excel als Brücke überflüssig?
2026 könnte als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem Excel – lange Zeit eines der meistgenutzten Werkzeuge zur Anbindung an SAP – an Relevanz verliert. Entscheidend wird dabei sein, wie stabil und praxistauglich die Anbindung von Fabric an BDC umgesetzt wird und welche Kosten für die Integration tatsächlich entstehen. Gelingt das, könnte dies für viele Anwendungsfälle einen spürbaren Umbruch bedeuten.
Gleichzeitig ist klar: Es gibt bereits heute deutlich stabilere und professionellere Wege als Excel, um auf SAP-Daten zuzugreifen. Trotzdem ist Excel in vielen Fachbereichen nach wie vor das Mittel der Wahl, weil es verfügbar ist, verstanden wird und schnell Ergebnisse liefert. Genau deshalb wäre ein funktionierender, integrierter Ansatz über Fabric weniger ein technischer Fortschritt – sondern vor allem ein realistischer Ersatz für gelebte Praxis.
Mehr Housekeeping: Naming, Metadata, Governance
Das Thema Housekeeping in Power BI und Fabric wird an Bedeutung gewinnen. Der zunehmende Einsatz von KI-Funktionen und der wachsende Bedarf an strukturierten Metadaten erzwingen sauberere Namenskonventionen, klar definierte Strukturen und belastbare Governance-Regeln.
Was lange als lästige Pflicht galt, wird damit zur zentralen Voraussetzung für neue Anwendungsfälle. Erst konsistente Benennungen, gepflegte Metadaten und klare Verantwortlichkeiten machen den Einsatz von KI-Features und AI-Agents überhaupt möglich.
In der Praxis bedeutet das vor allem eines: Unklare Measure-Namen, doppelte KPIs und fehlende Beschreibungen werden nicht länger nur ein Wartungsproblem sein, sondern direkte Nutzungsbarrieren. KI-gestützte Funktionen verstärken vorhandene Strukturen – gute wie schlechte. Wer Housekeeping vernachlässigt, skaliert künftig vor allem Verwirrung.
Fabric Jahr 3: Frameworks und Best Practices werden erwachsen
Mit dem Eintritt in sein drittes Jahr werden sich für Fabric zunehmend Frameworks und Best Practices für konkrete Anwendungsfälle etablieren – vom Einsatz in kleineren Organisationen bis hin zu großen Enterprise-Umgebungen. Immer mehr erprobte und belastbare Lösungsansätze entstehen, die sich auch skalieren lassen. Diese reichen von einfachen Citizen-Developer-Szenarien mit Dataflows bis hin zu stärker industrialisierten Enterprise-Setups, die auf metadatengesteuerten Ansätzen basieren.
In der Praxis führt das zu einer klareren Erwartungshaltung: Fabric wird weniger als Experimentierfeld verstanden und stärker als Plattform mit etablierten Mustern. Gleichzeitig steigt der Anspruch an Architekturentscheidungen, da skalierbare Setups nicht mehr nur möglich, sondern auch verfügbar und dokumentiert sind. Wer heute sauber startet, profitiert morgen von wiederverwendbaren Strukturen statt individueller Einzellösungen.
Mutige Prognose: Der Aufstieg des Business Data Engineers
Eine bewusst zugespitzte Prognose ist der zunehmende Bedarf an einer Rolle, die man als Business Data Engineer bezeichnen kann. Gemeint ist damit eine Person, die Daten entlang der gesamten Kette in Microsoft Fabric bearbeiten kann, die fachlichen Anforderungen versteht und schnell reagieren kann, weil fachliche und technische Sprache nah beieinanderliegen.
Der Business Data Engineer wird damit zum Ermöglicher schneller datenbasierter Verbesserungen. Nicht, weil er alles allein macht, sondern weil er Brüche zwischen Fachbereich, BI und Plattform reduziert und Entscheidungen schneller in funktionierende Lösungen überführt.
Fazit: Power BI Trends 2026 sind ein Strukturtest
Die Power BI Trends 2026 zeigen eine eindeutige Richtung: Weniger isolierte Werkzeuge, mehr integrierte Plattform, mehr Automatisierung – und damit höhere Anforderungen an Grundlagen. Power BI rückt noch enger an Fabric, KI-Funktionen werden selbstverständlicher, und Interaktion mit Daten wird zunehmend dialogorientiert. Das verändert nicht nur, wie Berichte gebaut werden, sondern wie Organisationen mit Daten arbeiten.
Gleichzeitig wird sichtbar, dass diese Entwicklung kein Abkürzungsversprechen ist. Funktionen wie MCP oder „Ask your Data Anything“ beschleunigen nur das, was strukturell bereits vorhanden ist. Saubere Datenmodelle, konsistente Metadaten, klare Governance und durchdachte Architektur sind keine Vorarbeit mehr, sondern Voraussetzung für Nutzung und Akzeptanz. Schwächen werden schneller sichtbar – und lassen sich nicht mehr hinter Dashboards verstecken.
Mit der Reife von Microsoft Fabric entstehen belastbare Best Practices und skalierbare Muster, die den Weg von Einzellösungen hin zu wiederverwendbaren Datenprodukten ebnen. Gleichzeitig verändern sich Rollenbilder: Der Bedarf an Menschen, die fachliche Anforderungen und technische Umsetzung zusammenbringen, steigt spürbar. Der Business Data Engineer steht dabei sinnbildlich für diesen Wandel.
Unterm Strich ist 2026 kein Jahr der großen Überraschungen, sondern eines der Entscheidungen. Wer Power BI weiterhin isoliert denkt, wird an Grenzen stoßen. Wer Plattform, Governance und Zusammenarbeit früh zusammendenkt, schafft die Grundlage für Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und echte datenbasierte Steuerung.
Power BI Trends verstehen – und sinnvoll nutzen
Nicht jedes neue Feature ist automatisch relevant. Entscheidend ist, welche Entwicklungen echten Mehrwert bringen und wie sie zur eigenen Datenlandschaft passen.
Wenn du Power BI strategisch weiterdenken willst, unterstützen wir dich mit:
Power BI Masterclass – für erfahrene Anwender mit Anspruch
Fabric Kick Start – wenn Power BI Teil einer modernen Datenplattform werden soll
So werden Trends nicht nur gelesen, sondern sinnvoll umgesetzt.


